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Geschichte Galeriehaus

 

Geversdorf, Hauptstraße Hs. Nr. 281, heute Nr. 3
Galeriehaus

 

Ehemalige Schießhalle - Wohnhaus Wilhelm Pfanne –
Heimatmuseum Geversdorf -  heute Galeriehaus.
(Von Gemeindedirektor a. D. Heinz Behrens, 1980)
(Erweitert im Mai 2016 von Günter Lunden, Ortsheimatpfleger)

 

Wer die Geschichte dieses Hauses nicht kennt, der wird kaum erahnen, dass dies früher einmal die erste Schießhalle des Schützenvereins Geversdorf von 1632 e.V. war. In kurzen Zügen soll deshalb die Hausgeschichte dieses Gebäudes festgehalten werden.


Am 05. März 1924 wurde auf einer Vorstandsversammlung beim Schützenbruder H. Schröder beschlossen, nachdem der hiesige Kirchenvorstand die Genehmigung auf dessen Gelände erteilt hat, neben dem Armenhaus einen Scharfschießstand anzulegen. Es wurde eine Zeichnung von E. Steenwerth angefertigt und die erforderliche polizeibehördliche Erlaubnis eingeholt. Am 24. August 1924 wurde auf dem neuen Stand ein Probeschießen für Mitglieder durchgeführt.


Im Mai 1927 soll die Zeichnung für weitere 2 Stände zur Baugenehmigung eingereicht werden, auch, wenn vorläufig nur 1 Stand gebaut wird. Sobald die Genehmigung erteilt ist, wird mit dem Bau begonnen. Der Außenbau wird an den Schützenbruder und Zimmermeister H. Reimers von der Laack und der Innenausbau an den Schützenbruder Johann Tietje übertragen.


Im Jahre 1928 baute der damalige Schützenverein Geversdorf und Umgebung e.V. seine erste Einraum Holzbaracke/Schießhalle ohne Fußboden mit Schießkeller und 100 Meter Schießbahn auf dem Kirchenland neben dem damaligen Armenhaus (heute Rathaus)  in der Größe von 8 x 12 Metern.


Bauweise: Fundament aus Mauerwerk,
Wände aus Holz mit einem Pappdach versehen.
Das Geld für den Bau der Schießhalle wurde von den Vereinsmitgliedern gezeichnet. Die Anteile wurden dann später durch Auslosung wieder zurückgezahlt.


Der ganze Bau kostete nicht ganz 3.000,00 Reichsmark.


1928, zum 326jährigen Schützenfest wurde die neue Halle eingeweiht.


Die Schießhalle/Schützenhalle sollte gleichzeitig als Turnhalle für die Volksschule, für den zu gründenden Turnverein und für Jugendpflegezwecke dienen (Protokoll der Mitgliederversammlung des Schützenvereins vom 29.04. und 07.06.1928).


1938 heißt es noch einmal im Generalversammlungsprotokoll vom 18.03.1938: „ohne Widerspruch wurde ein Antrag betreffend Mitbenutzung der Schießhalle als Turnhalle seitens der Schuljugend angenommen, sobald die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen durch die Gemeinde getroffen sind. “Offenbar meinte man damit wohl die Fensterscheiben und die Abdeckung der Schießkeller“.


1940 wurde die Schießhalle (Hauptstraße 281, heute Nr. 3) als Unterkunft für französische und später serbische Kriegsgefangene in Anspruch genommen. Im Winter 1940/41 stellte sich heraus, dass die Holzwände zu dünn und undicht waren, dass eine gesundheitliche einwandfreie Unterbringung der Kriegsgefangenen im Winter nicht möglich war, obwohl bereits ein massiver Schornstein und ein großer Ofen eingebaut worden war.


Im Frühjahr 1941 wurde die Halle winterfest gemacht, das heißt, sie wurde von innen mit einer doppelten Holzwand und einer Unterverkleidung des Dachstuhls (Decke) versehen. Außerdem wurde ein Holzfußboden gelegt. Die Kosten für die Verbesserungen betrugen 1.570,11 Reichsmark.
Die Kriegsgefangenen blieben in der Halle bis zum Juni 1945. Nach dem Abzug der Kriegsgefangenen stand sie zunächst leer. Dann wurde sie einige Jahre von der Gemeinde zur Lagerung von Feuerungsmaterial (Torf) für die Bevölkerung benutzt.


1945 wurde der Schützenverein, wie alle Schützenvereine, durch das Militärregierungsgesetz Artikel 1 des Kontrollratsgesetzes Nr.34 aufgelöst.
Das Vereinsvermögen wurde beschlagnahmt bzw. gesperrt und von einer Stelle bei der Militärregierung 611 in Stade verwaltet.


1949 wurde die Schießhalle nach dem Wohnungsgesetz vom Kreiswohnungsamt in Otterndorf beschlagnahmt.


Die Gemeinde baute, um der unerträglichen Wohnungsnot der vielen Flüchtlinge zu steuern, in die Halle zwei Wohnungen hinein.
Kostenaufwand für die beiden Wohnungen: 5.650,47 DM. Vor dem Ausbau hatte die Gemeinde am 01.05.1949 eine amtliche Schätzung der Halle vornehmen lassen: 2.106,00 DM. Am 22.06.1950 wurde der Verkehrswert der Halle vom Staatshochbauamt auf 7.100,00 DM festgestellt.


Ende Juni 1949 wurde die Wohnung von den beiden Flüchtlingsfamilien Walter Priebe und Wilhelm Pfanne bezogen.
Die außerhalb des Gebäudes liegende Schießbahn mit Schießdeckung war in den langen Kriegs- und Nachkriegsjahren verfallen; sie wurde eingeebnet.


Auch die Schießhalle hatte, als man 1949 mit dem Wohnungseinbau begann, in ihrer baulichen Substanz bereits stark gelitten.
Nach Aufhebung des Vereinsverbotes durch die Militärregierung war im Mai 1948 ein neuer „Bogenschützenverein Geversdorf und Umgebung“ gegründet worden.


Durch Beschluss des Organisationsausschusses in Celle vom 01.02.1951 wurde dem Verein das gesperrte Vermögen des aufgelösten Schützenvereins Geversdorf und die sich daraus ergebenen Rechte und Pflichten übertragen.


Nun musste eine Auseinandersetzung mit der Gemeinde bezüglich der ausgebauten Schießhalle erfolgen. Durch Vertrag vom 18. Juni 1953 ging die ehemalige Schützenhalle Hs. Nr. 281 in das Eigentum der Gemeinde Geversdorf über.


Im Rahmen der vertraglichen Auseinandersetzung baute sich der Schützenverein im Jahre 1954 auf der rechten Seite des
gemeindeeigenen Sportplatzes eine neue Schützenhalle mit der Hs. Nr. 306 und einen neuen Schießstand.

 

1953 verkaufte die Gemeinde die ehemalige Schießhalle Nr. 281 an den Heimatvertriebenen Wilhelm Pfanne, der darin bereits eine Wohnung seit 1949 bewohnte. Kaufpreis 6.000,00 DM. Die Familie Priebe verzog nach Cadenberge.


Wir schreiben das Jahr 1980.


Mit viel Mühe und einem hohen finanziellen Einsatz hat die Familie Wilhelm Pfanne ihr Eigentum in der Zwischenzeit zu einem schmucken Wohnhaus aus- und umgebaut. Nichts erinnert mehr an die frühere hölzerne Schießhalle. Geblieben ist nur die 1928 beim Neubau zugeteilte Hausnummer 281.


Das Jahr 2011.
Die seinerzeit zugeteilte Hausnummer änderte sich 1981 in Hauptstraße Hs. Nr. 3 nachdem die Straßen der Gemeinde Geversdorf neu benannt wurden und somit zwangsläufig die Hausnummern geändert werden mussten.


Der Eigentümer Wilhelm Pfanne verstarb am 29.09.1990 im Alter von 78 Jahren. Er wurde auf dem Cadenberger Friedhof beigesetzt. Die Witwe Frau Ruth Pfanne bewohnte dieses Haus bis Mai 2009. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie ins Krankenhaus und lebte seitdem in einem Pflegeheim in Celle.

Sie verstarb am 27.07.2015 im Alter von 84 Jahren. Auch sie wurde in Cadenberge beigesetzt.
Das seit Mai 2009 leerstehende Haus mit Grundstück verkaufte der Sohn Kurt Pfanne, (im August 2016 verstorben) im Oktober 2010 an den ehemaligen Geversdorfer Bürger Andreas Dyck, wohnhaft in 21256 Handeloh.


Herr Dyck veräußerte im Januar 2011 dieses Haus mit Grundstück für einen obligatorischen Preis von einem Euro an die Gemeinde Geversdorf mit der Auflage, dieses Objekt zur Nutzung dem Heimatmuseum/Heimatverein Geversdorf zur Verfügung zu stellen.

 

Schornsteinabbruch am 05. Oktober 2013                                                 

Der in der Mitte des Hauses vorhandene, ungenutzte und durchgesottete Schornstein wurde bis in den Deckenbereich abgetragen. Hierbei stellten wir fest, dass die Bleche der Dacheindeckung sehr verrostet sind. Es wurde vorgeschlagen, im Rahmen des derzeit in Geversdorf laufenden Dorferneuerungsprogramms das Dach zu sanieren.


Dachsanierung August 2014
Durch die hohen Auflagen scheiterte dieser Antrag, da die Sanierung laut Kostenvoranschlag ca. 43.000 € und ohne Dorferneuerungsprogramm ca. 20.000 Euro kosten sollte.


Eine der Auflagen war, das Dach mit Naturschiefer zu belegen. Wir vom Verein waren einhellig der Meinung, ein Schieferdach passt nicht zu diesem Haus.


Nach mehreren Gesprächen mit dem Gemeinderat konnte eine Einigung erzielt werden. Von den tatsächlich entstandenen Kosten von rund 24.000 € hat die Gemeinde 15.000 € und der Heimat- und Kulturverein, dank einer ordentlichen Spende, 9.000 € übernommen.


Am 12. September 2014 war das Dach fertig.


Der nächste Schritt für uns als Heimatverein war, in den „Anbau“ Toiletten einzubauen und den Eingangsflur herzustellen. Auch hierfür haben wir eine tolle Spende erhalten. Im Februar 2016 war es dann soweit, die Toiletten, der Toilettenvorraum und der Eingangsflur zu den Galerieräumen sind fertig.


Heute, am 13. August 2016, möchten wir das Gebäude der Öffentlichkeit vorstellen.